Während Metall-Kunststoff-Verbundteile bereits etabliert sind, zählen
Keramik-Hybride – also Keramik-Kunststoff- oder Keramik-Metall-Verbindungen – noch
zu den Newcomern bei den Werkstoff-Verbundtechnologien. Nichtsdestotrotz
erobern sie zunehmend das Interesse in den Abnehmerbranchen: Vor allem bei
Anwendungen, bei denen Verschleißschutz oder Reibungsminderung bzw. elektrische
oder thermische Isolation gefordert ist, erfreuen sich Verbundlösungen mit
technischer Keramik zunehmender Beliebtheit. Klein, aber oho – dieser Slogan passt
bestens zu den Hybrid-Bauteilen, bei denen als Werkstoff im Verbund-Konzert
Technische
Keramik mit von der Partie ist. Technische Keramik spielt vor allem in
Anwendungsbereichen seine „Materialstärke“ aus, in denen es auf Verschleiß- und
Korrosionsschutz, elektrische und thermische Isolation bei hohen Temperaturen
oder Hochtemperaturfestigkeit ankommt.
Typische Einsatzgebiete sind unter
anderem Maschinen- und chemischer Anlagenbau, Textiltechnik, Elektrotechnik und
Elektrowärme, Sanitärindustrie und Medizintechnik.
Während Metall-Kunststoff-Bauteile in
der Zwischenzeit in jedem Handy oder unter jeder Motorhaube zu finden sind,
erschließen sich die
Einsatzbereiche von Keramik-Hybriden nicht auf den ersten
Blick. Man stößt jedoch bei näherer Beschäftigung auf eine ganze Reihe
interessanter Einsatzfacetten, die verdeutlichen, welches Zukunftspotenzial in
diesen Werkstoffverbünden mit technischer Keramik steckt.
- Fadenführer bei Textilmaschinen
- SteckerteileZündelektroden
- Glühkerzen
- „Pinzettenscheiben“ in Epiliergeräten
- Medizinische Sensorelemente
- Chirurgische Instrumente
Bestes aus beiden Welten Was sind die Beweggründe, welche die
Entwicklung von keramischen Hybridtechnologien antreiben? Hier lassen sich
nennen:
- Die Stärken der verschiedenen Werkstoffe so zu
bündeln, das durch den Materialmix eine neue Produktqualität
entsteht.
- Das Bauteil so zu konfektionieren, dass für die
jeweilige Anwendung eine maßgeschneiderte Lösung mit
optimalem Materialeinsatz entsteht. Die Technische Keramik wird meist
nur an der Verschleißstelle genutzt und nicht in der gesamten
Komponente.
- Reduzierung der Prozessschritte und damit
Produktionskosten durch Einsatz intelligenter Verbindungstechnologien,
um die Werkstoffe miteinander zu verheiraten (Verschweißen,
Einschrumpfen, Löten, Umspritzen im Kunststoff). Relativ neu ist
der Einsatz von Fertigungsverfahren, welche die Verbindung in einem
Prozess bewerkstelligen.
Die
Entwicklung und Erprobung neuer
Fertigungsverfahren läuft auf Hochtouren: Vorreiter in Deutschland ist hier das
Fraunhofer-Demonstrationszentrum „Advancer“,
„Advancer“ hat seinen Sitz am
Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme
– IKTS – in Dresden
und vereint die sieben Institute der Fraunhofer-Allianz
Hochleistungskeramik.
Ziel der Aktivitäten ist unter anderem, neue innovative
Fertigungsverfahren zu
erforschen, mit denen sich die Werkstoffe künftig in einem
Produktionsschritt
dauerhaft und nahtlos „verheiraten“ lassen. Als sehr
erfolgversprechend zeigt
sich hier das Spritzgießverfahren aus der Kunststoffindustrie.
Erprobt werden z.B.
die Verbindung von Metall und Keramik mittels 2-Komponenten-Spitzguss.
Diese
Technologie setzt allerdings voraus, dass das eingesetzte Keramik- und
Metallpulver so ausgelegt ist, dass beide Materialien beim
anschließenden
Sinterprozess gleich stark schwinden. Auch mit dem in der
Kunststoffindustrie
etablierten Verfahren des Folienhinterspritzens wird derzeit
experimentiert.
Bei keramischen Hybridtechnologien
spielen
Spritzgießverfahren damit eine zunehmend zentrale Rolle. Ein Blick in
die Branche zeigt, dass viele Kunststoffspritzguss-Hersteller bereits heute ein
umfassendes Know-how bei der Keramikverarbeitung erworben haben und damit
bestens gerüstet sind, um bei diesen noch relativ jungen Materialverbindungen die
kommenden lukrativen Absatzmärkte zu erschließen.